Wenn Geschichte atmet: Englische Journalisten im Pongauer Dom
Manchmal sind es die Kontraste, die einen Tag unvergesslich machen. Vormittags lachen wir noch bei Kaffee und regionalen Schmankerln, genießen die Leichtigkeit eines Sommermorgens in St. Johann. Doch am Nachmittag, als wir vor dem Pongauer Dom stehen, kippt die Stimmung – nicht ins Schwere, sondern in etwas Anderes: Staunen, Ehrfurcht, ein leises Innehalten. Hier darf ich noch eine kurze Erklärung einschieben für alle, ich darf die Gruppe begleiten und ihnen die schönsten Flecke und Orte von St. Johann zeigen. Die Gruppe ist ein bunter Mix aus britischen Journalisten, die einen schrieben über Kulinarik die anderen über Familienthemen, so decken wir als Gruppe alles ab, von gutem Essen bis hin zur Kultur und tollen Wanderungen. Aber jetzt tauchen wir in einen besonderen Tag der Pressereise ein, der mir und den Journalisten sehr im Gedächtnis geblieben ist :).
Zwei Türme & zwei Gesichter
Die schlanken Türme des Doms begleiten uns schon den ganzen Tag, über Dächer und Straßen hinweg. Jetzt, direkt davor, wirken sie fast übermächtig. 62 Meter hoch, streng und doch elegant. Ein Journalist flüstert: “It’s majestic — but serene.” Genau so war es: groß und gleichzeitig still.
Das Knarren der Türen, ein Schritt hinein, und plötzlich verändert sich die Welt. Bunte Fenster werfen weiches Licht in die neugotische Halle. Kein Prunk, kein Übermaß, sondern Raum. Raum zum Atmen, Raum zum Staunen.
Der Hochaltar, 1881 im gotischen Stil errichtet, ist der unbestrittene Mittelpunkt. Figuren, filigrane Baldachine, Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist. Ein Kollege murmelt fast ehrfürchtig: “This altar… it breathes centuries.”
Ich erzähle die Geschichte: vom ersten Nachweis der Kirche im Jahr 924, vom großen Feuer 1855, das alles zerstörte, und vom Neubeginn ab 1857. Als ich den Einsturz des Turms von 1871 erwähne, sehe ich, wie sie sich die Szene vorstellen. Flammen, Verlust und dann die Hoffnung des Wiederaufbaus.
Neben: Die leise Schwester des Doms
Nach der Größe des Doms führe ich die Gruppe zur Annakapelle. Schlicht, klein, mit stiller Geschichte, vermutlich aus dem 14. Jahrhundert. Hier ist kein Platz für große Gesten, sondern für ein leises Gebet. Eine Journalistin lächelt und meint: “It’s like shifting from grand opera into a whispered hymn.”
Und genau das machte den Tag aus, vom heiteren Klang der Gläser am Vormittag bis zum Schweigen in der Kapelle am Nachmittag. Geschichte kann man nicht nur sehen, man kann sie fühlen.
Info
Mehr Infos zum Pongauer Dom findest du hier:
https://www.josalzburg.com/de/aktivitaeten/sommer/pongauer-dom-annakapelle.html
Bildnachweis: JO Salzburg