„Wenn, donn gscheid!“ – Theater Filzmoos

Ein Hauch von Make-Up schwebt in der Luft, Scheinwerfer blenden, Stimmen hallen durch die Mützenhalle. Wo sonst Bälle prellen, entsteht im Oktober ein Theaterraum. „Von der Turnhalle zur Bühne, das war eine unserer größten Herausforderungen“, sagt Obmann Franz-Joseph Salchegger. Heute ist die Theatergruppe Filzmoos seit einem Jahr ein erwartetes jährliches Event, doch der Weg dorthin begann mit einer ganz spontanen Idee.

In einem Interview mit Obmann Franz-Joseph Salchegger und Vereinsmitglied Georg Jäger darf ich die Geschichte hinter der neuen Theatergruppe, den Prozess eines Stückes und die Zukunftsaussichten des Vereins erfahren.

Ein Weihnachtsstück, das alles veränderte

Eigentlich war es nur eine kleine Bitte: Franz-Joseph sollte in seiner Firma ein Weihnachtsstück aufführen. Seine Mutter, selbst mit Theatererfahrung, schrieb das Skript. Daraus entstand der Gedanke: „Es wad doch cool wieda a Theatergruppe in Filzmoos zan hom.“ Aus diesem „Warum nicht?“ wurde Wirklichkeit.

Prompter Start

Einladungsschreiben gingen hinaus, alte und neue Theaterinteressierte trafen ein. Jeder fand seine Rolle im baldigen Verein. Auch Obmann Franz-Joseph, der sich als erster und einziger in die Spalte des Gruppenleiters eintrug. Mit April wurde das Theater Filzmoos offiziell zum Verein erklärt.

Schnell folgten Workshops, von Stimmtraining bis Improvisationstheater. Eine Schlüsselrolle übernahm Veronika Pernthaler-Maeke, Geschäftsführerin des Salzburger Amateurtheaterverbandes. Obwohl sie normalerweise keine gänzlich neuen Gruppen von Grund auf betreut, erkannte sie das Engagement und Herzblut und entschied sich, von Beginn an die Regie zu übernehmen.

Aller Anfang ist schwer

Auf die Frage nach den größten Herausforderungen, nennen Franz-Joseph und Georg sofort zwei Punkte: Geld und Standort. Sponsoren und Eigenmittel halfen weiter, und schließlich entschied man sich für die Mützenhalle. Der Umbau von der Turnhalle zur Theaterbühne brachte viel Arbeit mit sich. „Und donn kimbst vom orbeitn und kimmst owi und donn sigst und tauchst ei in die schwoaze Halle. Do wa ma fost as Kachei brochn, weili so erleichtert woa.“ Der Molton Vorhang. Von der eine einst enormen Sorge von Obmann Franz-Joseph, erzählt er mir heute mit einem Lächeln.

Ein Blick hinter die Kulissen

„Wenn, donn gscheid!“, sagt Franz-Joseph, und dieses Motto zieht sich durch den gesamten Prozess. Regisseurin Veronika entscheidet, welches Stück gespielt wird, passt es an die Gruppe an und sorgt dafür, dass auch kleine Rollen Gewicht bekommen.

Kleine Rollen, große Wirkung

Ein Beispiel dafür ist die Sanitäterin im letzten Stück, nur sieben Sätze, aber durch Slow-Motion, Blaulicht und Rockmusik ein echtes Highlight. Die kleine Nebenrolle wirkt nicht als Fremdkörper, sondern wird eingebunden. So zeigt sich, jede Rolle zählt.

Vom ersten Satz bis zum letzten Applaus

Im Juni startet die Leseprobe. Alle erfahren, welches Stück aufgeführt wird, und lesen ihre Rolle zum ersten Mal. Danach heißt es „Einprägen, bis die Birne brennt“. Heute wird dabei mit Audio-Aufnahmen gearbeitet, eine Idee von Georg, die nun allen das Lernen erleichtert.

In der Hochphase wird bis zu viermal pro Woche geprobt. Parallel dazu entsteht das Bühnenbild nach dem Prinzip „Wer hod wos?“. Wo manch andere outsourcen, um die Technik im Griff zu haben oder das Bühnenbild zu bauen, wird beim Theater Filzmoos alles aus eigener Hand produziert vom 25-köpfigen Team. Im September werden die Proben intensiver, Mitte Oktober folgt die Premiere.

Erdung, Lockerung, Sprechübungen – Rituale für die Nerven

Um Nervosität zu lösen, führt Veronika ein dreistufiges Ritual ein. Erst Wurzeln schlagen, dann Geräusche und Bewegungen zur Lockerung, schließlich schlendern die Statisten durch den Raum, um auf Kommando die zuvor gewählten Textzeilen in verschiedenen Emotionen darzustellen. Danach ist der Unterschied wie Tag und Nacht, die Schauspieler sind vertieft in ihren Rollen.

Vor den Auftritten gibt es ein weiteres Ritual. Ein Mitglied sang einst „Vielen Dank für die Blumen“, bald stimmte die ganze Gruppe ein. „Koana woas warum, owa noand hod auf oamoi die gonze Gruppen ohgfong zan singa. Seitdem homma des vor die Auführungen oiwei gsunga. Und hiaz is die Blume sogoa in insam Logo drinn“, teilen die zwei mit.

Theater Filzmoos ganz persönlich

Ma kennt si, owa ma kennt si hoid nur. Und do (in den Workshops) homma ins wirkli kennaglernd“, erzählt Franz-Joseph. Unterschiedlichste Menschen sind hier zusammengekommen und sind durch Proben eng zusammengewachsen über das letzte Jahr.

Was den Verein besonders macht? „Herzlichkeit und Offenheit“, sagen Franz-Joseph und Georg. Jeder darf mitreden, Kreativität hat freien Lauf. Ein Beispiel dafür ist die spontane Idee für einen Podcast, der schon eine Woche später professionell aufgenommen wurde.

Herzblut, Emotionen & Opfergabe

Theater bedeutet Opfer an Zeit und Energie. Doch es schenkt ebenso viel zurück. „Jeda kimb aus am normalen, privaten Umfeld. Donn stehst auf da Bühne, gehst hoid deina Leidenschoft noch und gibst die amoi ondast“, offenbart Georg.

Besonders als Laienschauspieler kann die erste Aufführung Furcht einflössen. „Du woast hoid obsolut nid, grod wonnst sowos ohfongst, ‘Wie kimb des on?‘, ‘Wie wirkt des?‘ oda ‘Wie wirkt si des vielleicht ah aus?‘ “, teilt Georg
mit, aber die positiven Rückmeldungen stillen jegliche Ängste. Szenen bleiben in Erinnerung und Schauspieler werden auf der Straße erkannt.

Blogautorin Sara fragt: Was war euer größter Erfolg?

Man könnte meinen, die Premiere sei der größte Erfolg eines Schauspielers, aber für Franz-Joseph und Georg war es jedoch die Resonanz des Publikums. Ein Zuschauer war vom Stück so bewegt, dass er heute selbst Teil der Gruppe ist. „Des is as schenste Lob wos so a Theatergruppe griang konn, is nid nur zan hean dass cool wor, sondan `He des wü ih a `“, meint Georg.

Eine weitere Rückmeldung, die die Schauspieler voller Freude erfüllte, war: „Es is so sche für zwoa Stunden moi as Private vagessen.“ Genau das sei das Ziel, Menschen aus dem Alltag zu entführen.

Wie sieht die Zukunft aus?

Auch abseits der Bühne ist die Gruppe aktiv, etwa beim Adventmarkt am Foodtruck und einem kleinen Weihnachtsspiel. Für die Zukunft sind Projekte wie eine Lesenacht im Gespräch und weitere Podcast-Folgen geplant.

Aktuell arbeitet die Theatergruppe an dem Stück „Die drei Eisbären“, das am 17.10.2025 seine Premiere hat in der Mützenhalle Filzmoos. „Herzlich, witzig und sentimental, do is für jeden wos dabei“, verspricht Franz-Joseph.

Eines ist sicher: Auf dieser Bühne lodert eine Flamme, die so schnell nicht erlischt.

Info

Aufführungen

Freitag, 17.10.2025, 19:30 Uhr
Samstag, 18.10.2025, 19:30 Uhr
Sonntag, 19.10.2025, 14:00 Uhr und 19:30 Uhr
Dienstag, 21.10.2025, 19:30 Uhr
Mittwoch, 22.10.2025, 19:30 Uhr
Freitag, 24.10.2025, 19:30 Uhr
Samstag, 25.10.2025, 14:00 Uhr und 19:30 Uhr

Standort: Mützenhalle
Einlass: eine Stunde vor Spielbeginn
Reservierungen: Kartenreservierung telefonisch | Mo-Do 14:00-17:00 | 0677 628 799 23
Sitzplatzreservierung an der Abendkassa
Kartenpreise: Erwachsene 14 €, Kinder 8 €, mit SAV-Card: 12 €
Theater Filzmoos - Bühne frei für Herz und Humor
Theater Filzmoos

Bildnachweis: 2 Grade