Der Weg ist das Ziel
Unterwegs mit Wegbetreuer Izet
Wer sorgt eigentlich dafür, dass unsere Wander- und Radwege gut in Schuss sind? Bei uns in Eben im Pongau ist dafür Izet Kurtalić zuständig. Er ist seit Mai 2025 Wegbetreuer in Eben und kümmert sich um alles rund um die Wegeinfrastruktur. Wie ein Arbeitstag bei ihm aussieht, verrät er uns heute und nimmt uns mit auf den wahrscheinlich größten und schönsten Arbeitsplatz unserer Region – die Natur.
In große Fußstapfen getreten
Nach über 20 Jahren Einsatz - und mit über 80 Jahren - übergab Rupert Pfister seine Aufgaben Anfang 2025 an den Salzburger Izet weiter. „Gemeinsam mit Rupert habe ich mir über 90% der Wege angeschaut. Als Salzburger musste ich mich natürlich erstmal mit der Gegend und den Menschen hier bekannt machen“, erinnert Izet sich an seine ersten Arbeitstage. Mittlerweile kenne er sich schon gut aus und hat auf fast allen Wegen die Markierungen erneuert und ergänzt. Bevor es aber ans Markieren geht, zeigt er uns den Erosionsschutz, den er beim Wanderweg Nr. 16 angelegt hat. Durch die häufigen Niederschläge diesen Sommer gibt es viele Stellen, wo das Wasser Wegabschnitte sumpfig macht oder auswäscht. Hier leitet Izet das Wasser um, damit der Weg wieder gut begehbar ist. Während wir wieder zum Auto zurückgehen, schneidet er immer wieder Äste und Zweige zurück, die in den Weg wachsen und die Wanderer behindern oder die Sicht stören.
Mit Sicherheit digital
Unsere nächste Station ist die Jausenstation Halmgut. Beim Wanderweg rund um den Österreichberg sind einige Holzstufen faul geworden. „Das kann schnell gefährlich werden, wenn jemand über die hervorstehenden Rundeisen stolpert“, erklärt Izet. Er ist dafür verantwortlich, Schäden zu melden und nach Freigabe zu beheben. Er fotografiert die betroffenen Stellen, denn in Eben im Pongau hat die Wegbetreuung schon den Sprung ins digitale Zeitalter geschafft. Seine Kolleginnen vom Tourismusverband und er erfassen Wander- und Radwege, sowie Sitzbänke, Brücken und vieles mehr mit einem digitalen Tool. Beschilderungen können so einheitlich erfasst und bei Beschädigung oder Verlust gleich nachbestellt werden. Offene Aufgaben werden ebenfalls über das Tool oder über WhatsApp kommuniziert. Wo digitale Tools (noch) keine Abhilfe schaffen ist das zeitintensive Ausmähen und Ausschneiden sowie das händische Markieren der Wege, was die letzte Aufgabe für heute ist.
Orientierung ist das A und O
Am unteren Gasthofberg angekommen, stattet Izet sich mit Farbe und Pinsel aus. „Bei den Markierungen muss man sich immer in die Leute hineinversetzen, die die Gegend nicht kennen und sich dementsprechend orientieren müssen. Daher sollen die Markierungen immer gut von beiden Seiten erkennbar sein“, erklärt er, während er ein weißes Rechteck auf einen Baum pinselt. Und die rote Farbe? Die bringt Izet am Rückweg an. „Wenn man die rote Farbe auf die weiße Grundierung malt, leuchtet sie viel intensiver. Und hält auch länger.“ Ein großer Vorteil, denn das Markieren ist nicht seine Lieblingsbeschäftigung, wie er verrät. Viel lieber tüftelt er: „Kompliziertere Probleme und Arbeiten, wo ich etwas zusammenbauen kann, mag ich am meisten.“ Aber zurück zum Markieren. An einer Stelle bietet sich kein Baum oder Fels an, also schlägt Izet einen Holzpfahl in den Boden, auf dem er die rot-weiß-rote Markierung anbringt. Fun Fact: für diese Markierungen gibt es sogar eine Norm – sie sollen 20 x 14 cm groß sein, wobei die roten Balken mit 4 cm etwas dünner sind als der weiße mit 6 cm.
Immer in den Bergen unterwegs
Izet liebt es, in den Bergen zu sein – Sommer wie Winter. Nun kann er seine Leidenschaft mit seinem Beruf verbinden. Die Arbeit als Wegbetreuer ist nichts Neues für den gelernten Schlosser – er ist seit einigen Jahren ehrenamtlich beim Alpenverein tätig und ist für die Steige am Untersberg in Salzburg verantwortlich. Über 60 Tage verbrachte er 2024 am Salzburger Hausberg. Abseits des Alpenvereins engagiert sich der gebürtige Bosnier in Vereinen wie „Kontakt BiH-Salzburg“ und organisiert immer wieder Ausflüge für die Mitglieder. 2024 gewann der Verein „Snaga Domovina“ (übersetzt: Heimatstärke) bei der Wander-Weltmeisterschaft in Filzmoos die Gruppenwertung. Das Team-Shirt der Wander-WM 2023 in Abtenau trägt er heute sogar. Gemeinsam mit Freunden und Mitgliedern aus dem Verein erneuerte Izet hunderte Stiegen am Untersberg. „Mit 18 Leuten geht schon was weiter“, schmunzelt er. Seinen neuen Arbeitsplatz in Eben hat er Familie und Freunden bei einem Ausflug zur Moosalm bereits gezeigt. „Die Leute hier – die Wirte, Grundbesitzer und Einheimischen – sind sehr hilfsbereit und großzügig. Als Wegbetreuer schätze ich das sehr“, freut sich der Salzburger.
Das Beste kommt zum Schluss?
Nach getaner Arbeit räumt Izet sein Werkzeug, Farbe und Pinsel wieder ins Auto - und zaubert plötzlich zwei perfekt gekühlte Biere aus einer Tasche. „Am Vortag friere ich zwei, drei Wasserflaschen ein – das sorgt nicht nur für erfrischend kaltes Wasser am Tag, sondern auch noch für ein kühles Bier nach der Arbeit“, verrät er und reicht mir zwinkernd eine der zwei Dosen. Gemeinsam sitzen wir also noch eine ganze Weile mitten im Wald, auf der Ladekante von Izets Auto. Er habe bis zu seiner Anstellung hier nicht gewusst, dass man entgeltlich als Wegbetreuer arbeiten kann. Was er sich wünscht: „Eine Vollzeitstelle als Wegbetreuer wäre das Beste. Dann würde ich wahrscheinlich gar nicht mehr in Pension gehen.“ Als Schlosser arbeitet er derzeit nicht – er habe gelernt, mehr auf sich zu hören, und das zu tun, was ihm Spaß macht und guttut. Genau das ist jetzt der Fall. Und wer weiß, vielleicht geht sein Traum, bis zur Pension (und darüber hinaus ;)) als Wegbetreuer zu arbeiten, in Erfüllung.
Bildnachweis: Angelika Pfuner - TVB Eben